Zeittafel Bürgerinitiative Altstadtentwicklung Erfurt e.V.

Wer sind wir?

"Die Bürgerinitiative Altstadtentwicklung versteht sich als kritischer Partner der Kommune. Ziel ihrer Arbeit ist es, auf die historisch gewachsenen Strukturen der Altstadt aufmerksam zu machen und sie bewahren zu helfen. Dies versteht sie als einen wesentlichen Beitrag zur Förderung der Identität der Bürger mit ihrer Altstadt" (aus der Satzung)

- entstand Nov. 1986 als "Arbeitsgruppe Stadt- und Wohnumwelt" bei der evangelischen Kirche als Reaktion betroffener und interessierter Bürger zu Abrißplänen in der Erfurter Altstadt

- Frühjahr 87 private Eingaben, Auswertung und Sammlung der in den Eingabengesprächen erlangten Informationen

- 8. Mai bis 6. Juli 87 Ausstellung in der Michaeliskirche "Stadtgerechter Verkehr - verkehrsgerechte Stadt" über den geplanten Abriß im Andreasviertel und die geplante Ringschließung durch die Altstadt

- Durchführung von zwei öffentlichen Gesprächen in der Michaeliskirche ohne Beteiligung der Stadtverantwortlichen, als einzige Zeitung berichtet das evangelische Wochenblatt "Glaube und Heimat"

- 12 000 Besucher stellen sich in ihren Meinungsäußerungen in den ausgelegten Büchern zum größten Teil hinter unser Anliegen

- Auswertung der Meinungsäußerungen in einer umfangreichen Eingabe und Übergabe mit Kirchenvertretern an den Rat der Stadt, später an die zuständigen Ministerien und den Vorsitzenden des Staatsrates Honecker

- als indirekte Reaktion auf die mobilisierte Öffentlichkeit beginnt der Rat der Stadt im August 87 die "Rathausgespräche am Sonntag" und richtet ein Jahr später ein "Informationsbüro Stadtentwicklung" neben dem Rathaus am Fischmarkt ein

- 1988 erneute Ausstellung in der Michaeliskirche im Rahmen des Kirchentages zur Situation in der historischen Altstadt zusammen mit Umweltgruppen und der Offenen Arbeit

- umfangreiche Eingabe an die Ministerien mit der Forderung, die Denkmalgesetzgebung für das gesamte Flächendenkmal Altstadt Erfurt konsequent anzuwenden.
Das hat zur Folge, dass der geplante Flächenabriß nochmals verschoben wird, es erfolgen geringfügige Änderungen der Planungen. 

- Entwicklung von Alternativen zum Generalverkehrsplan für die Altstadt als umfangreiche Eingabe

- Eingaben und Sicherungsaktion gegen geplante Abrisse von Denkmalen und denkmalwerter Substanz - Kürschnergasse 7 gelingt, Fischersand 44/45 wird "umständehalber" dennoch abgerissen, ebenso Michaelisstr. 42

- Ausrichtung eines DDR-weiten Treffens von Stadtbauökologie-Gruppen im Zusammenhang mit dem "2. Erfurter Luftseminar" der Umweltbasisgruppen im Sep. 89

- Im Rathausgespräch am 15. 10. 89 Forderung nach sofortigem Abrisstop und neuen Prämissen in der Stadt- und Verkehrsplanung. Mit dem Stadtbaudirektor Caroli wird der "Arbeitskreis Innenstadt" als "Runder Tisch" der Verkehrsplanung uns Stadtentwicklung vereinbart.

- 15. 11. 89 Konstituierung des "Arbeitskreis Innenstadt", an dem Politiker, Fachleute und betroffene Bürger gemeinsam arbeiten

- 15. 11. 89 Konsens über neue Prämissen in der Altstadt - Bau- und Verkehrsplanung,

- 22. + 23. 11. Begehung und Abrißstop, Vereinbarung der Sicherung erhaltenswerter Gebäude

- Sicherungsarbeiten an mehreren Gebäuden im Andreasviertel in Wochenendeinsätzen neben damit beauftragten Firmen

- 10. 12. 89 Menschenkette um die Altstadt gemeinsam mit "Interessengemeinschaft Alte Universität". Die von ihr initiierte Demonstration macht das Anliegen Deutschlandweit bekannt und die Veränderungen unumkehrbar. 

- Mitarbeit der "Kellerforscher" und der seit Herbst 89 beim Neuen Forum gebildeten Gruppe "Denkmalpflege & Stadterhaltung"; Fusion dieser Gruppen zur "Bürgerinitiative Altstadtentwicklung" im Februar 1990

- Bildung einer Vergabekommission zur Privatisierung der "volkseigenen" Ein- und Zweifamilienhäuser im Andreasviertel, dabei besondere Berücksichtigung von Interessenten, die sich für die Erhaltung eingesetzt haben und von Handwerkern und Kleingewerbe um dem Viertel seine ursprüngliche Gestalt wiederzugeben

- Bestätigung der Beschlüsse im Arbeitskreis Innenstadt durch das Interimsparlament, Mitarbeit eines Vertreters im Interimsparlament

- 26. 1. 90 "Aspekte"-Livesendung des ZDF aus dem "Roten Ochsen" Erfurt zur Denkmalpflege in der DDR

- Beteiligung an der Erarbeitung einer neuen Rahmenplanung Andreasviertel, Altstadtsatzung u. a.

- Mitarbeit beim "Runden Tisch Bauwesen" im Bezirk Erfurt, beim Runden Tisch der Bürgerinitiativen beim Ministerium für Bauwesen der DDR, bei der Einleitung der Hessen- und Rheinland-Pfalz - Hilfe

- Aufstellung von 5 Kandidaten auf Liste "Neues Forum / Grüne" zu den Kommunalwahlen am 6. 5.; Wahl zweier Mitglieder (Dieter Stark, Matthias Sengewald) der Bürgerinitiative in den Stadtrat, Mitarbeit im Bauausschuß, Vorschlag für die Mitarbeit sachkundiger Bürger im Bauausschuß, der nicht angenommen wurde

- öffentliche Veranstaltungen zur Kommunalwahl, danach mit Vertretern der neuen Bauverwaltung zu Fragen der Denkmalpflege, der Stadterneuerung und des Verkehrs

- Auf seiner letzten Sitzung am 2. Mai 1990 empfiehlt der "Arbeitskreis Innenstadt" dem künftigen Stadtparlament, diese Gremium als "überparteiliches und unabhängiges Gremium" zu erhalten

- Ende 1990 Konstituierung als gemeinsnütziger Verein "Bürgerinitiative Altstadtentwicklung Erfurt e.V."

- Aus der Bürgerinitiative heraus erfolgt die Initiative zur Gründung einer Ortsgruppe und später Landesverbandes des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) 

- Einrichtung von zwei ABM - Stellen für "Altstadtsanierungs-Berater"

- Mai 91 Ausstellung im Informationszentrum der Stadt "Erhaltenswerte Altstadt - achtenswerte Details"

- Sep 91 Fusion mit der "Krämerbrückeninitiative"

- 11. 11. 91 Verleihung des "Deutschen Preises Für Denkmalschutz 1991".

"Die Bürgerinitiative 'Altstadtentwicklung e.V.' in Erfurt, hervorgegangen aus einer 1986 entstandenen Initiativgruppe, hat einen konsequenten Kampf gegen den Abriß des Andreasviertels , für den behutsamen Umgang mit historischer Bausubstanz und für eine denkmalgerechte Entwicklung der Altstadt in Erfurt geführt.
Die Bürgerinitiative hat mit ihren Aktivitäten, noch vor dem Umbruch gegen den Widerstand der politischen Administration der DDR begonnen und unter geänderten politischen Bedingungen fortgesetzt, das Vertrauen der Erfurter Bürger erworben und spielt heute eine wichtige Rolle als kritischer Partner der Stadtverwaltung." (Aus der Preisverleihungsurkunde)

- Stellungnahme der Bürgerinitiative zum neuen Thüringer Denkmalpflegegesetz, dabei wird die Mitarbeit von denkmalpflegerischen Verbänden gefordert, aber nicht berücksichtigt.

- durch die parlamentarische Arbeit erfährt die Bürgerinitiative Mitte 1991 von einem geplanten Kaufhausbau inmitten der Altstadt. Mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde wird im Januar 1992 eine öffentliche Bauplanung erzwungen, mit einer öffentlichen Aktion am vorgesehenen Standort wird eine langanhaltende öffentliche Diskussion ausgelöst, es werden einige Verbesserungen der Gestaltung erreicht, der Stadtrat entscheidet sich aber mehrheitlich dafür.

- eine ganze Reihe bisheriger Mitglieder der Bürgerinitiative macht sich in denkmalpflegerischen Berufen selbständig

- die Arbeit geschieht jetzt vorwiegend als Zuarbeit der parlamenterischen Vertreter, von der Bürgerinitiative werden zahlreiche Stellungnahmen und Änderungsanträge mit verfaßt

- bei anderen Bauvorhaben, z.B. dem Parkhaus im Petersberg, engagiert sich die Bürgerinitiative und erreicht - z.T. in Zusammenarbeit mit anderen - eine breite öffentliche Diskussion, das Vorhaben wird aber mehrheitlich beschlossen.

- 1993 erfolgt von Mitgliedern der Bürgerinitiative im Rahmen der jährlichen Aktionen "mobil ohne Auto" die Anregung zur Gründung einer Car-Sharing-Genossenschaft. Später schließt sich diese der "Teil-Auto" GmbH an.

- 1994 entscheidet sich die Bürgerinitiative erneut, Kandidaten für das kommunale Parlament auf Liste "Bündnis 90/Die Grünen - Neues Forum" aufzustellen, ein Vertreter wird gewählt, ein weiterer arbeitet als berufener Bürger im Bauausschuß mit, später rückt ein zweiter in den Stadtrat nach.

- seit 1990 bemüht sich die Bürgerinitiative um eine die historische Substanz und die kulturvolle Nutzung sichernde Eigentumsform der Krämerbrücke zu schaffen. Im Oktober 1991 wird im Stadtrat die Vorbereitung einer "Stiftung Krämerbrücke" beschlossen. Nach unterschiedlichsten der Stadtverwaltung und zahleichen kleinen Gesprächen, aber auch forcierenden Presseartikeln gibt 1995 das Landesverwaltungsamt die Zustimmung.

- 1995/96 Initiativen zum Erhalt des denkmalgeschützten Inselgebäudes des Erfurter Hauptbahnhofes, das dem Neubau eines ICE-Bahnhofes weichen soll. Am 13. Januar 1996 öffentliches Podiumsgespräch im Inselgebäude mit ca 200 Teilnehmern.

- März 1996 Erstellung eines Gutachtens zum Denkmalgeschützten Ensemble des Hauptbahnhofes durch Prof. Dr. Dr. Hermann Wirth (Weimar).

- April 1996 Gemeinsamer Antrag der Bürgerinitiativen aus Weimar, Gera, Eisenach, Meiningen, Arnstadt und Erfurt an den Petitionsausschuß des Thüringer Landtages zum Erhalt des Erfurter Hauptbahnhofes.

- Am 26. 6. 96 beschließt der Stadtrat Erfurt die "Aufnahme des Geschäftsbetriebes der nichtrechtsfähigen Stiftung Krämerbrücke".

- 1997 Podiumsdiskussion zum “Tag des offenen Denkmals”, es geht um die Ausführung des 1. Preises “Bebauung Benediktplatz”. Unterschiedliche Protestaktionen schließen sich an.

- Zum “Tag des offenen Denkmals”  am 14. 9. 1998 Unterschriftensammlung für eine sensible Bebauung des Benediktplatzes und gegen die Ausführung des Preisträgers. Am 16. 9. 1998 werden 1450 Unterschriften an den Oberbürgermeister der Stadt Erfurt übergeben.

- Erarbeitung einer Liste von alten, verschollenen Gassen in der historischen Altstadt von Erfurt. Die entstandene Dokumentation wird an die Bauverwaltung übergeben; sie führt 29 ehemalige Gassen an, die wieder geöffnet werden könnten, ein Teil wird im Andreasviertel realisiert.

- Der “Tag des offenen Denkmals” am 5. 9. 1999 steht unter dem Motto “Alte Gassen - neue Wege”

- 1998 engagiertes Vorgehen von Mitgliedern der Bürgerinitiative und Bewohnern des Andreasviertels gegen den Abriß der noch vorhanden Scheune eines bis in diesem Jahrhundert betriebenen früheren Ackerbürgerhofes im Andreasviertel und gegen den Neubau einer Tiefgarage an dieser Stelle.

- 1999 begründet die Bürgerintiative mit dem Alterstumsverein der Stadt Erfurt die Zeitschrift “STADT & GESCHICHTE” und gibt sie mit heraus.

- Bei der Neuplanung des Angers im Oktober 1999 wird eine neue Qualität der Bürgerbeteiligung erreicht; in die Auslobung des Wettbewerbes fließen von vornherein Anregungen der Bürgerinitiative ein. Es wird vorher eine öffentliche Diskussion und ein Workshop durchgeführt, bei dem je eine engagierte Bürgerin und ein Bürger in die Jury gewählt werden.

- Auf Anregung von Mitgliedern der Bürgerinitiative steht der “Tag des offenen Denkmals” 2000 unter dem Motto “Brücken”, wobei der 675 Jahrestag der Krämerbrücke den Ausschlag dafür gab.

- 2001 löst sich die Bürgerinitiative auf, die Unterlagen werden dem Stadtarchiv übergeben. Der größere Teil der Mitglieder ist weiterhin in verschiedenen Vereinen und Initiativen engagiert.